Literatur, Abendveranstaltung | | Lesung mit Peter Wawerzinek |
| Beschreibung | Peter Wawerzinek „Rabenliebe“ Über 50 Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol im Leben des Jungen. Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis ins 4. Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln. Die Köchin des Heimes wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück. Wo war Heimat? Wo waren seine Wurzeln? Wo gehörte er hin? Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Als Grenzsoldat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzaunes, wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirklich wiedersehen? Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit. Als er sie, Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte, und mit ihr die 8 Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahre überlebensgroß gewordenen Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung. Aber sie löste einen Schreibschub aus, in dem Wawerzinek sich das Trauma aus dem Leib schrieb. In „Rabenliebe“ übersetzte er das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur. Mit Auszügen daraus gewann er in diesem Jahr den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurth! Peter Wawerzinek wurde unter dem Namen Peter Runkel 1954 in Rostock geboren. Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei verschiedenen Pflegefamilien auf. Er absolvierte eine Lehre als Textilzeichner, leistete seinen Wehrdienst bei der NVA und begann ein Studium an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee, das er jedoch nach zwei Jahren abbrach. Anschließend jobbte er in verschiedenen Berufen, u.a. als Briefträger und Kellner bei der Mitropa. Gleichzeitig war er bereits in den Achtzigerjahren als Performance-Künstler und Stehgreifpoet in der Ostberliner Literatenszene im Stadtteil Prenzlauer Berg aktiv. Seit 1988 lebt er als freier Schriftsteller, Regisseur, Hörspielautor und Sänger in Berlin. Peter Wawerzinek veröffentlichte nach der Wende als erstes eine Sammlung von Parodien zur DDR-Literatur, danach skurrile, experimentelle Prosatexte in einer atemlosen Prosa über einen Außenseiter der DDR-Gesellschaft. Die Werke Wawerzineks sind stark autobiografisch geprägt und thematisieren insbesondere die Landschaften seiner Erinnerungen. 1991 erhielt er den Berliner Kritikerpreis für Literatur, 1993 den Hörspielpreis der Berliner Akademie der Künste. Die Lesung ist als Kooperationsveranstaltung mit der Landeszentrale für politische Bildung MV Bestandteil des Rahmenprogramms zur Ausstellung „Erzwungene Wege“, die bis zum 24. 10. 2010 im Schleswig-Holstein-Haus zu sehen ist, sowie des Projektes „Schwerin literarisch 2010“. Eintritt: 3,- € (inklusive Ausstellungsbesuch)
|
| Datum: | 08.09.2010 |
| Uhrzeit: | 19:30 |
| Ort: | Saal des Schleswig-Holstein-Hauses Puschkinstr. 12 19055 Schwerin Schelfstadt
Lokalisieren
Lokalisieren mit GoogleMaps
|
| Informationen: | Schleswig-Holstein-Haus, Puschkinstr. 12, 19055 Schwerin Tel.: 0385 5555 24 | | Tickets: | Schleswig-Holstein-Haus, Puschkinstr. 12, 19055 Schwerin Tel.: 0385 5555 25 |
Impressum/Nutzungsbedingungen | Datenschutz | Veranstaltung eintragen
|
|